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Nach der Hitze ist vor der Hitze: Forderungen der Fischer

Endlich ist der Hitzesommer 2018 überstanden. «Wir sind haarscharf an ei-nem landesweiten Fischsterben vorbei geschrammt», schreibt der Schweize-rische Fischerei-Verband SFV. Doch der nächste Hitzesommer kommt be-stimmt. Deshalb hat der Schweizerische Fischerei-Verband ein Forderungs-paket geschnürt.

Medienmitteilung – 2. Oktober  2018

Für den Schweizerischen Fischerei-Verband hat der Hitzesommer 2018 gezeigt, dass der Klimawandel weder Phantom noch Hirngespinst ist. «Das Klima schlägt unerbitterlich zurück», so SFV-Zentralpräsident Roberto Zanetti.

 

Langfristig: Klima und Gewässer

«Wir müssen uns damit abfinden, dass sich die natürliche Ausgewogenheit der Jahreszeiten verändert und die Naturgefahren steigen», sagt Zanetti. Deshalb initiierte der Schweizerische Fischerei-Verband und einige Kantone beim Bundesamt für Umwelt ein Projekt zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserbau und Fischerei. Das Projekt ist langfristig ausgelegt. Kurz- und mittelfristig sind die Forderungen des SFV an Politik, Kraftwerke, Landwirtschaft und Fischer.

Kurz- und mittelfristig: Forderungen an Politik und Wasserbau

  • Hochwasserschutz: Bei allen Projekten müssen die Faktoren Wärme und Trockenheit stärker gewichtet werden.
  • Wasser und Uferbereich: Niederwasserrinnen, Vertiefungen (Kolken), Beschattung durch Bestockung der Ufer mit Büschen und Bäumen. Die Fische brauchen kühles Wasser und schattige Stellen.
  • Revitalisierungen: Konsequente Umsetzung des Gewässerschutzgesetzes mit Revitalisierungen mit der Schaffung von kühlen, wasserreichen Rückzugsgebieten, natürlichen Strukturen wie Unterständen.
  • Wasserqualität: Verbesserung der Wasserqualität durch Verminderung von Rückständen aus Zivilisation und Landwirtschaft, konkret Medikamenten- und Pestizidrückstände. Denn die kühlen Seitengewässer sind wertlos, wenn die Wasserqualität das Überleben der Fische verhindert.
  • Entschädigungen: Klärung von Entschädigungen von Fischpächtern und Fischereivereinen bei Fischsterben als Folge der Erwärmung beziehungsweise für den Aufwand von Hegen und Pflegen, wenn die Fischbestände geschädigt werden.

Kurz- und mittelfristig: Forderungen betreffend Kraftwerke, Bauern, Fischer

  • AKW: Klärung der Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten bei der Einleitung von Kühlwasser, damit die Leistungen der einzelnen Werke reduziert werden, sobald die Wassertemperatur die kritische Marke überschreitet.
  • Kraftwerke: Die Sanierung der rund 1000 Wanderhindernisse muss höchste Priorität haben, damit die freie Fischwanderung (vor allem Richtung) kühlere Seitengewässer gewährleistet ist. 
  • Landwirtschaft: Wasserentnahmen bei ansteigenden Wassertemperaturen strikt untersagen, vor allem auch in kleineren, kühleren Seitengewässern.
  • Kormorane: Bei tieferem Wasserspiegel wird die Gefahr durch die fischfressenden Vögel wie Kormorane oder Gänsesäger noch grösser. Der Fischereiverband fordert dringend ein internationales Kormoranmanagement und eine mutige Verstärkung der Kormoranabwehr.
  • Hegen und Pflegen: Die Fischer fordern nicht nur, sondern leisten weiterhin Eigeninitiative. Zusätzlich zum Hegen und Pflegen können Verbände und Vereine mit dem Tool «Fischer schaffen Lebensraum» in ihrem Einzugsgebiet mit kleinen baulichen Massnahmen die Qualität des Lebensraums für Fische verbessern. 

3 Tonnen tote Fische in Schaffhausen

Aufgrund der anhaltend sehr hohen Wassertemperaturen im Rhein von teilweise über 27° C kam es in den ersten Augustwochen zu einem grösseren Fischsterben. Die entsorgte Menge verendeter Fisch – insbesondere Äschen und teilweise Forellen – beläuft sich auf rund 3 Tonnen. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Fischer und der kantonalen Fischereifachstellen konnte ein noch höherer Abgang vermieden werden. Namentlich die angelegten Kaltwasserbereiche bildeten ein überlebenswichtiges Refugium für die gestressten Fische, welche in hoher Zahl diese Massnahmen frequentierten.

Bild: Während des Hitzesommers 2018 haben die Fische in Bächen und Flüssen einen hohen Preis bezahlt.
Bild Patrick Vogel

 

 

 

 

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